Österreich ist ein Labyrinth, in dem sich jeder auskennt.

HELMUT QUALTINGER

 

Liebe Freundin! Lieber Freund!

Wir leben verkehrt. Wir verbrauchen zuviel. Wir konsumieren (oft) ohne es zu brauchen. Die Wirtschaft will dieses Zuviel. Die Erde hält dieses Zuviel nicht aus. Und wir fahren fort in diesem Lebensstil. Wollen wir das wirklich?
Der Handel will es. Die Industrie will es. Marktstrategen arbeiten daran, dass alle ihre Möbel im Laufe eines Lebens x-mal wegschmeißen. Werbemillionen sollen dafür sorgen, dass möglichst viele mitmachen. Nein. So können wir das nicht wollen. Im Gegenteil. Wir spüren alle, dass dieses Wegwerfzeug, das uns umgibt, eine Belastung ist. Es strapaziert nicht nur unsere Mutter Erde (GEA, so heißt die Göttin der Erde), es gefährdet auch unsere Seelen. Wenn wir zuviel mit Wegwerfzeug umgeben sind, unterhöhlt das unsere Wertvorstellungen. Es verändert auch unser Verhalten. Wenn nix was wert ist, was ist dann noch was wert?

An dieser Stelle möchte ich gleich einmal sagen, dass wir uns bemühen, dass unsere Möbel einen bleibenden Wert haben. Mit langer Lebensdauer und ohne Ablaufdatum. Peter Zumthor beschreibt es so treffend – »da drin steckt viel Arbeit« pflegt man zu sagen, wenn man einen schön gearbeiteten Gegenstand betrachtet und glaubt, die Sorgfalt und das Können des Menschen, der diesen Gegenstand geschaffen hat, zu verspüren …

Wenn ich diese berührenden Zeilen lese, verspüre ich Wehmut. Ich denk’ an vergangene, verlorene Zeiten, in denen das Handwerk in unserem Alltag der prägende und der gestaltende Faktor war. Warum eigentlich ist Arbeit am höchsten besteuert, obwohl wir Arbeit zum Leben brauchen? Viel Schönes lässt sich nur durch viel Arbeit herstellen. Warum nicht z.B. Energie höher besteuern, wo unser Energievergeuden doch den ganzen Planeten aufheizt? Warum nicht Ressourcen höher besteuern, wo diese unsinnige Verschwendung doch zu ungeheuren Müllbergen führt? Warum nicht endlich Finanztransaktionen besteuern, wo doch dieses unheimliche Tempo an den Börsen und Finanzmärkten nur mehr Angst und Schrecken verbreitet. Steuern sollen lenken. Mit sinnvollen Steuern könnten wir relativ schnell auf eine bessere, lebensfähige, lebensbejahende Zukunft zusteuern. Arbeit ist viel zu sehr mit Abgaben belastet. Arbeit muss – wenigstens bis zum Maß »für sich selber sorgen zu können« – steuerfrei und abgabenfrei sein. Steuern heißt steuern, das heißt lenken. In die richtige Richtung lenken. Wenn Arbeit so hoch besteuert ist, dann flüchtet alles, was arbeitsintensiv ist, dorthin, wo Arbeit billig ist. Wollen wir das?

Nein, nein, nein. Ich will nicht jammern. Ganz und gar nicht. Wenn ich so über unser System rede, dann deshalb, weil ich es ändern will. Weil ich will, dass wir mit unserer Firma Vorreiter der notwendigen Veränderung werden. Z.B. mit schönen Möbeln, die ein Leben lang halten.

Das meint im Ernst

Heini Staudinger Signatur